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CENIT | Digitale Transformation Mensch - Keynote Kurt Bengel
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12.06.2018

Keynote von Kurt Bengel auf dem prostep ivip Symposium 2018 zu der Rolle des Menschen in der Digitalisierung

Der Mensch im digitalen Zeitalter - Autonom und frei?

Beim diesjährigen prostep ivip Symposium befassten sich mehr als 700 Fach- und Führungskräfte aus 19 Ländern über zwei Tage hinweg intensiv mit Lösungen für die digitale Transformation von Produkten und Prozessen. In der Vorbereitung auf seine Keynote hat sich Kurt Bengel, CEO der CENIT AG, dafür entschieden, seine Betrachtungen nicht auf die Fragen technischer Machbarkeit zu beschränken. Sein Ziel war es, den gesellschaftlichen Kontext in den Diskurs einzubringen: „Es liegt an uns, smarte Technologien smart zu nutzen“, lautete daher einer seiner Kernthesen. Wir stellen Ihnen hier seinen Redetext zum Nachlesen zur Verfügung. Lassen Sie sich zu eigenen Gedanken anregen, wie wir unsere Autonomie erhalten und dabei den Fortschritt mutig gestalten!

Meine Damen und Herren,

absolut beeindruckend was uns Klaus Straub zur Zukunft der Automobilität gezeigt hat! (Anmerkung der Redaktion: zuvor hatte Klaus Straub, CIO bei BMW, eine Keynote gehalten.)

Kein leichtes Schicksal für mich, in den nächsten 30 Minuten Ihre Aufmerksamkeit zu fesseln, nach einem Vortrag bei dem so viele Emotionen geweckt wurden.

Natürlich drängt es mich, als CEO der CENIT diesem hochkarätigen Auditorium unser Leistungsangebot für die digitale Transformation vorzustellen. Ich war 1988 der erste Mitarbeiter der fünf CENIT Gründer und natürlich ist es für mich eine hochemotionale Situation, bei unserer baldigen 30 Jahrfeier als CEO vor einem ähnlich großen Auditorium zu stehen und auf unsere ca. 800 Mitarbeiter zu schauen, die vielfältige Kompetenzen vom Engineering bis in Produktion und Service, von CAx über PLM bis in die digitale Fabrik, von der strategischen Beratung bis zum professionellen Support mitbringen.

CENIT Digitale Transformation Mensch Keynote Bengel

Emotional wird es für mich aber vor allem, weil wir es über 30 Jahre geschafft haben, unseren zentralsten Wert zu bewahren und zu festigen – Teamwork! Das Gefühl mit Freunden in einer Vertrauens- und Zutrauenskultur arbeiten zu dürfen, hat nicht nur mich, sondern viele andere Kollegen 1, 2, oder sogar 3 Jahrzehnte bei der CENIT gehalten. Natürlich sind wir stolz darauf, dass das Who is Who der Fertigungsindustrie mit unseren Lösungen arbeitet, natürlich war da die Verlockung, Ihnen hier unsere tollen Lösungen für die erfolgreiche digitale Transformation entlang der Wertschöpfungskette vorzustellen – und wäre das einer Keynote bei diesem Forum angemessen?

Ich glaube nicht und deshalb verzichten wir hier auf den Werbeblock. Es gibt ausreichend Gelegenheit Fachthemen zu diskutieren, in den Networking-Pausen, in der Ausstellung, im persönlichen Gespräch bei der Abendveranstaltung oder nach der Konferenz. Wir werden hochinteressante Vorträge von Unternehmen hören, die über ihre Erfahrungen mit der Umsetzung der digitalen Transformation berichten, darunter auch unsere Kunden, wie z.B. einer der führenden Automobilzulieferer, die Firma MAHLE.

Ich möchte die verbleibenden 25 Minuten nutzen, um über EMOTIONEN, einen oft vernachlässigten Aspekt der Digitalisierung, zu sprechen und hoffe, damit Anstöße zum Nachdenken und Anlässe zur Diskussion zu geben, die ich gerne mit Ihnen führen würde.

Wer gestern Abend im BMW Classics war, durfte nochmal die ganze Emotionalität des Autofahrens in den letzten 100 Jahren erleben. Freude am Fahren – definitiv mehr als ein Marketing Statement, wenn man diese wunderschönen Autos sieht. Und wenn wir ehrlich sind, entscheidet entgegen aller Beteuerungen auch heute noch beim Autokauf unser Bauch, nicht unser Kopf.

Autonomie des Menschen und der Maschine?

Bleibt das so, wenn nicht mehr WIR unser Auto fahren, sondern unser Auto UNS fährt? Geben wir mit der Autonomie des Fahrens auch die Freude am Fahren ab? Interessiert uns die Hülle noch, wenn das Auto zum rollenden Arbeitsplatz, Kino, Bett wird oder was auch immer Sie darin mit der neugewonnenen Freiheit anfangen möchten? Fahren Sie ICE wegen der schnittigen Form der Triebmaschine?

Geht es im Kern wirklich noch um die technologischen Fragen, wenn wir über autonome Autos, autonome Fertigung, Smart Homes oder Smart Delivery mit Drohnen diskutieren?

In einem Raum voller Ingenieure und IT-Spezialisten wage ich angesichts der dramatischen Beschleunigung unseres technologischen Fortschritts zu behaupten, dass die Verfügbarkeit von Technologie nicht mehr die zentrale Frage ist. Die Frage „Was wollen wir zulassen?“ oder konkreter „Wieviel Autonomie wollen wir Menschen abgeben“ halte ich zukünftig für die Entscheidende – und das gilt für alle Lebensbereiche im individuellen privaten und beruflichen Umfeld. Genauso wie im gesellschaftspolitischen Zusammenleben.

Wenn wir zukünftig scheitern, werden wir viel häufiger am Mangel von Konsens zur Nutzung der Technologie als am Mangel verfügbarer Technologie scheitern.

Würden Sie es als „normal“ akzeptieren, wenn links von Ihnen ein Cyborg sitzen würde, der gerade in einer modernen Schönheitsklinik einige Unzulänglichkeiten des menschlichen Körpers „upgraden“ ließ und rechts von Ihnen Robbi, der niedliche Assistent Ihres Chefs, der nicht nur den Aktenkoffer und das Reisegepäck trägt, sondern während der Konferenz lautlos Anrufe für Ihren Chef entgegennimmt, nach Prioritäten sortiert, die Vortragsinhalte speichert und nach ihrer Relevanz bewertet ablegt – würden Sie sich eventuell die Frage stellen, ob demnächst Sie oder vielleicht doch eher Ihr Chef überflüssig sein wird?
Und wen hätten Sie gerne neben sich sitzen, wenn es schon sein muss, den glupschäugigen Helfer oder lieber den Terminator?

Solche Fragen erörtern seit Jahrzehnten kreative, visionäre Menschen in Romanen und Filmen, Autoren von Utopien oder Science Fiction. Es ist schon frappierend festzustellen, wie viele Zukunftsvisionen nicht nur Wirklichkeit geworden sind, sondern heute geradezu niedlich altmodisch wirken: Wenn wir uns den großen Visionär Jules Verne anschauen oder George Orwells 1984 mit den heute verfügbaren Technologien von der Gesichtserkennung bis zur geografischen Lokalisierung vergleichen.

Künstliche Intelligenz – sinnvoll gestalten

Was tun wir mit einer künstlichen Intelligenz, die Emotionen entwickelt und sich gegen uns stellt? Eindrucksvoll dargestellt von Stanley Kubrick in Odyssee im Weltraum. Der berühmte Computer hieß HAL und hatte gegen den Terminator zumindest einen Vorteil – er konnte einem nicht nachlaufen. Im Film entwickelte HAL sein Eigenleben zur Überraschung seiner Schöpfer, übrigens bereits vor 50 Jahren, der Film lief 1968 zum ersten Mal in den Kinos.

Heute arbeiten Forscher-Teams fieberhaft daran, als erste künstlichen Intelligenzen Emotionen beizubringen, denn das gilt als eine der letzten großen Herausforderungen. Wissen wir da immer was wir tun oder werden wir enden wie Goethes Zauberlehrling? Können wir die Verantwortung für die Entscheidung über die Grenzen der Nutzung moderner Technologien weiterhin Konzernlenkern und Politkern überlassen oder tragen wir nicht alle unseren Teil der Verantwortung?

Können / wollen wir die Digitalisierung wegen ihrer unabsehbaren Folgen aufhalten oder müssen wir uns viel intensiver damit auseinandersetzen wie wir sie gestalten?

Sind wir gut auf die Umwälzungen vorbereitet, die mit der Digitalisierung unaufhaltsam in alle privaten und beruflichen Lebensbereiche eindringt?

Was können wir aus dem Eintreten vergangener Visionen lernen? Mindestens, dass es Sinn macht, den gesellschaftlichen Diskurs lange vor der Verfügbarkeit der Technologien zu führen, wenn wir die Nutzung sinnvoll gestalten wollen, statt von ihr überrollt zu werden.

Was bedeutet das in unserem Unternehmensalltag? Wir müssen uns von der projektgetriebenen Einführung neuer IT-Lösungen zu einer kontinuierlichen Bewertung von Zukunftstechnologien entwickeln, unsere Organisationen befähigen, Neues schnell zu adaptieren, bei unseren Mitarbeitern das Vertrauen aufbauen, das ihnen ermöglicht, angstfrei Veränderungsprozesse anzugehen, ihnen das Zutrauen geben, dass sie für die Akzeptanz der damit verbundenen Unsicherheit benötigen und sie erkennen lässt, welche großen Chancen zur persönlichen Weiterentwicklung mit der digitalen Transformation verbunden sind.

Ich will jetzt nicht den Eindruck erwecken, dass es keine technologischen Herausforderungen mehr gibt und wir alle auf Coach umschulen sollten – wobei wir das als Manager schon immer waren und zukünftig noch viel mehr sein müssen.

Veränderung – proaktiv angehen

Selbstverständlich gibt es auch zukünftig technische Herausforderungen. Selbstverständlich bleiben die IT-Kompetenz und die Auswahl der richtigen Technologien, die Definition der optimalen Prozesse und die Wahl der Organisation der Menschen und ihrer Kompetenzen zentrale Elemente für die erfolgreiche digitale Transformation.

Die Gewichtung im magischen Dreieck erfolgreicher Veränderungsprojekte verändert sich jedoch drastisch: Die beiden Komponenten Mensch und Prozess gewinnen signifikant an Bedeutung als erfolgskritische Faktoren.

Angst ist der natürliche Feind jeder Veränderung, Vertrauen ist der Treibstoff für jedes erfolgreiche Transformationsprojekt.

Wir sind mit 800 Mitarbeitern immer noch eine kleine Firma, und wir sind in einer der dynamischsten Branchen und trotzdem, glauben Sie mir – auch bei uns sind Transformationsprozesse der tägliche Kampf mit dem „Menschlichen“.

„Die Deutschen sind Reaktionsweltmeister“, das stammt nicht von mir, sondern von Thomas Druyen, einem Soziologen und Professor an der Sigmund-Freud-Privatuniversität Wien. In der vorletzten Ausgabe der ZEIT wurde gerade ein spannendes Interview zu seiner Studie „Die ultimative Herausforderung – über die Veränderungsfähigkeit der Deutschen“ veröffentlicht.

Druyen sagt, „die Deutschen haben, das zeigt die Studie, ein herausragendes Beharrungsvermögen, sind extrem belastbar, was Widrigkeiten betrifft, und haben eine überdurchschnittliche Anpassungsfähigkeit. 89 Prozent der Befragten lassen sich auch durch Widerstände nicht vom Weg abbringen.“

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Im weiteren Verlauf wurde gefragt, ob man den Deutschen ernsthaft übelnehmen kann, dass sie an dem Leben in ihrem Land festhalten, mit dem sie ganz überwiegend zufrieden sind. Er antwortet: „nein, kann man nicht, aber man darf fragen, ob diese Zufriedenheit und die damit verbundene Trägheit den disruptiven Prozessen um uns herum gerecht werden.“

Natürlich bezieht er sich nicht nur auf die technologischen Veränderungen der Digitalisierung, sondern auch auf Politik, Ökologie etc. Als Quintessenz der Studie kommt Druyen zu dem Schluss, DIE DEUTSCHEN SIND REAKTIONSWELTMEISTER! Sie werden mit allem fertig aber immer erst als Reaktion auf das Eintreten von Ereignissen.

Er führt aus, dass wir immer erst reagieren, wenn wir dazu gezwungen werden, statt präventiv zu handeln.
D.h. wir verhalten uns wie mit unserer eigenen Gesundheit: Jahrelang drücken wir uns vor Sport, ernähren uns schlecht und schlafen wenig. Dann kommt eine Diagnose, und plötzlich geht das alles: Wir joggen jeden Tag, essen Obst und Gemüse und gehen früh ins Bett. Und genau das ist das, was wir aus dem Bereich der Zukunftspsychologie fordern, sagt er: Die Kompetenz, die wir haben, wenn ein Problem da ist, die müssen wir gewissermaßen nach vorne verlegen.

Druyen gibt uns folgenden Rat: Wir sollten aus der Reaktion in den Modus des Probehandelns wechseln. Das bedeutet, dass wir unsere Fantasie und unsere Vorstellungkraft nutzen, um uns mit möglichen Zukünften schon mal zu beschäftigen.

Was steht uns also bei disruptiven Veränderungen in erster Linie im Weg? Es ist unser Beharrungsvermögen und unser Festhalten an vorhandenen Zuständen so lange es geht. Wir sollten also unsere Kompetenz nutzen, um die Chancen in Veränderungen nicht nur zu sehen, sondern durch TUN (wie Druyen sagt, Probehandeln) greifbar zu machen. Letzten Endes ist also die Angst vor Veränderungen im Weg und eine Emotion.

Rolle Mensch und Maschine

Reden wir nochmal einen Moment über Emotion statt IT, wir sind ja schließlich im WM Jahr. „Na, der traut sich was“ hat jetzt wohl mancher gedacht, als Schwabe in München über Fußball reden. Zugegebenermaßen, vermintes Gelände für ein VFB Mitglied…

Was war die Einführung des Video Assistenten für ein Desaster…und warum? Ganz sicher nicht wegen der mangelnden Video- oder Kommunikationstechnologie. Der Vertrag zum Einsatz der Technologie ist nicht richtig ausgehandelt, es gibt keinen Konsens, wieviel der 100%-igen Autonomie des Schiedsrichters an eine andere Instanz abgegeben werden soll, die Rollen sind nicht sauber geklärt – kommt Ihnen das eventuell aus Ihrem Arbeitsalltag bekannt vor?

Wir führen seit 30 Jahren IT-Technologien bei Fertigungsunternehmen ein und wir lösen damit seit 30 Jahren Veränderungsprozesse aus, manchmal kleinere, manchmal grundlegende, die man heute wahrscheinlich als „disruptiv“ bezeichnen würde.

Wer alt genug ist, um sich an den Umstieg vom Zeichenbrett auf CAD zu erinnern – das war disruptiv. Die Ängste der erfahrenen Konstrukteure gingen vom Verlust ihrer Kreativität bis zum völligen abgehängt werden durch die damaligen „Digital Natives“, die in der Uni gar keine Zeichenbretter mehr kennengelernt, sondern Konstruieren direkt am CAD gelernt hatten. Angesichts heutiger Technologiesprünge, eher ein Grund zum Schmunzeln. Damals eine unternehmenskritische Herausforderung, denn mit dem Verlust der „alten Recken“ wäre auch der Verlust des Unternehmens-Know-hows in der Entwicklung und Konstruktion verbunden gewesen.

Wie damals, werben wir auch heute bei den Entscheidern für Budgets, die den Erfolg der Einführung neuer Technologien sichern - und wir tun uns schwer, auch heute noch, wo es umso wichtiger wäre, neben den finanziellen Budgets für die Beschaffung von Hardware, Software und Implementierungsleistung, auch die Mittel für die aktive Gestaltung der Veränderungsprozesse bereitzustellen. Früher war das Hindernis meist die mangelnde Bereitschaft, zusätzliches Geld auszugeben. Heute ist der limitierende Faktor oft die Verfügbarkeit der benötigten Mitarbeiter, da meist genau diejenigen benötigt werden, die sowieso schon zu 200% ausgelastet sind.

Gehen wir nochmal einen Moment zum Fußball. Was ist der Fußball heute? Ein hochkomplexes Zusammenspiel aus Strategie und Taktik, einer übergeordneten zentralen Steuerungskomponente (dem Trainer), lokalen Steuerungskomponenten in Verteidigung, Mittelfeld und Angriff (den Führungsspielern) und höchst leistungsfähigen, autonomen Einheiten, den Spielern, die alle die Aufgabe haben, nach vorne und hinten zu arbeiten, egal ob sie Stürmer oder Verteidiger sind und jederzeit flexibel ihr Verhalten an Spielsituationen anzupassen, die vom geplanten Ablauf abweichen.

Ungefähr so, wie wir uns das in modernen Wertschöpfungsnetzwerken und Smart Factories vorstellen. Der Fußball heute ist so schnell und so dynamisch, wie noch nie. Machen Sie sich den Spaß und schauen Sie sich nochmal die Weltmeisterschaftspartie von 1974 an. Dieses gemütliche Gekicke entsteht daraus, dass die Einheiten auf dem Feld fest auf ihren Einsatzzweck programmiert wurden – Stürmer ist Stürmer, Verteidiger ist Verteidiger und Schwarzenbeck ist für die Blutgrätsche zuständig.

Ungefähr so, wie in vielen heutigen Fabriken. Es ist mühsam, das Spiel in der Fabrik an eine veränderte Spielsituation anzupassen, es dauert und es ist teuer.

Was wäre, wenn wir vom Fußball lernen und die deutschen Tugenden der Automation mit kreativen Elementen bereichern würden, wenn wir aus den vielen liebgewonnenen SPSen einen Großteil der Steuerungsfunktion zu einem flexiblen Software-Trainer verlagern würden, was wäre wenn wir Maschinen und Anlagen durch intelligente offene Betriebssysteme zu aktiven und gelehrigen Spielern machen würden?

Wie kann es sein, dass die gleichen Weltklasse-Spieler bei Bayern München nach einem Trainerwechsel, innerhalb weniger Tage, von einem verschreckten Haufen wieder zu einer dominanten Truppe werden, die mit „mia san mia“ jeden Gegner vom Platz fegt? Das ist die Folge einer Vertrauens- und Zutrauenskultur, feinfühlig von einem perfekten Coach auf die individuellen Persönlichkeiten der Fußballkünstler angewandt. Was lernen wir daraus? Wir sollten alle unseren Jupp Heynckes im Unternehmen haben? Wahrscheinlich gar keine blöde Idee….

Wir beschäftigen uns seit 30 Jahren mit der Steuerung und Simulation von komplexen Maschinen, seit vielen Jahren in hoher Intensität mit Robotern. Wir bringen die „schweren Jungs“ dazu, in ihren Käfigen zu bleiben und dort klaglos ihr Tagewerk zu verrichten. Jetzt lassen wir die Roboter frei - natürlich nicht die schweren Jungs aber die jungen Wilden, die wie selbstverständlich neben den humanoiden Werkern stehen und mitarbeiten.

Bisher haben wir die Blechkollegen simuliert und offline programmiert. Zukünftig nehmen wir sie virtuell in Betrieb, in einer virtuellen Fabrik. Und auch das ist noch viel zu kurz gesprungen. Wir wollen so echt werden mit der Simulation, dass wir den unter Schmerzen geborenen digitalen Zwilling nicht nur für die Planung im Vorfeld einsetzen und dann sang und klanglos beerdigen, sondern wie im echten Leben reifen, wachsen, älter und größer werden lassen und dabei immer ein möglichst vollständiges Abbild der Realität haben.

Warum die Mühe? Weil wir den digitalen Zwilling dann zum Steuern der Fabrik verwenden können, zum exakten Wiederherstellen von Fertigungszuständen in der Vergangenheit, wenn wir wissen müssen welche Bedingungen geherrscht haben, als etwas schief ging, zum Verproben verschiedener Alternativen unter den aktuellen fertigungstechnischen Gegebenheiten und zu vielem mehr. Um das zu ermöglichen, muss man in der digitalen Fabrik neue Wege gehen. Wir haben vor fünf Jahren beschlossen, diesen Weg zu gehen und die Resultate sind erstaunlich.

In unserer "Industrie 4.0"-Vision bedienen wir unsere Kunden mit individualisierten Produkten in der Losgröße 1 und produzieren diese Produkte auf Abruf in einer autonomen Fabrik, die auf maximale Flexibilität und Geschwindigkeit ausgelegt ist.

Wir wissen, welcher weite Weg bei vielen Unternehmen zwischen der Produktentwicklung und der Produktion liegt, welche Brüche zwischen Kundenauftragsprozess und Produktentstehungsprozess vorhanden sind, wie schwer es ist, Produkt- und Prozess-Änderungen durchgängig in einem global verteilten Unternehmen zu managen, welche Herausforderungen die Kollaboration in unternehmensübergreifenden Wertschöpfungsnetzwerken mit sich bringt, denn wir unterstützen unsere Kunden seit der Gründung der CENIT bei der Einführung von PLM Lösungen – schon lange bevor PLM PLM hieß.

Sind diese Schwierigkeiten ein Grund aufzugeben – oder ein Grund anzupacken? Wenn Industrie 4.0 Losgröße 1 wirtschaftlich funktionieren soll, müssen die losen Enden in den Unternehmen zusammengebunden, neue Spielregeln vereinbart, Plattformen geschaffen und integriert, Organisationen und Prozesse weiterentwickelt, Menschen mitgenommen und viele Vorgänge ohne Blockaden neu gedacht werden.

Klassische Trennung von technischer und kommerzieller IT, isolierte Betrachtung von PEP und Kundenauftragsprozessen, das Verständnis, dass PLM nur die „Techniker“ angeht und Sales-Konfiguration nur den Vertrieb – das und vieles mehr muss überwunden werden, wenn Unternehmen die Digitalisierung nutzen wollen, um sich für die Zukunft wettbewerbsfähig aufzustellen.

Vernetztes Denken als Schlüssel

Change Management muss von der Alibifunktion am Rand des Projektmanagements in den Fokus rücken. Nicht nur innerhalb des Unternehmens sondern genauso in unternehmensübergreifenden Wertschöpfungsnetzwerken können Innovations-, Flexibilitäts-, Qualitäts-, Geschwindigkeits-, oder Effizienzziele nur in einer Vertrauenskultur erreicht werden. Das Aushandeln dieser „Verträge“ ist zutiefst emotionsgetrieben und das werden wir auch in Zukunft nicht Chatbots überlassen wollen. Vernetztes Denken ist der Schlüssel zu erfolgreichen Transformationsprojekten, das Bewusstsein für den Kontext, in dem eine Entscheidung, eine Aufgabe, eine Tätigkeit steht, ist entscheidend.

Nicht selten tun wir uns schwer mit dem tatsächlich vernetzten Denken: Um Dinge zu vereinfachen, betrachten wir die physikalischen Gegebenheiten gerne getrennt von ihren gesellschaftlichen Folgen.

Das erlaubte es Menschen einerseits, fantastische Technologien wie die Kernspaltung zu entwickeln. Andererseits haben wir bis heute keine Lösung dafür, wie wir mit den Folgen in Form von strahlendem Müll bis hin zu schmutzigen Bomben umgehen können. Beispiele dieser Art gibt es zuhauf…

Nun stellt sich die Frage, ob uns diese Historie davon abhalten sollte, weiter zu forschen – oder unsere Ingenieurskunst weiter anzuwenden? – Ich meine NEIN!

Sollte es uns Mahnung sein, den Umgang mit neuen Technologien viel sorgfältiger vorzubereiten, den gesellschaftlichen Diskurs viel früher und intensiver zu führen, die Basis zu schaffen, damit wir selbst und unsere Mitarbeiter ihre tagtäglichen Entscheidungen viel mehr im Gesamtkontext treffen können? – Ich meine JA!

Wir werden also in Zukunft sicherlich Vieles in die Hand der künstlichen Intelligenz legen – und die essentiellen Vereinbarungen eben genau NICHT. Denn wie sollen wir sonst „in control“ bleiben, also in der autonomen Welt als autonome Menschen unseren Platz finden?

Handeln und mutig sein

Es liegt an uns, smarte Technologien smart zu nutzen. Also, eine Zukunft zu gestalten, die uns voranbringt – und nicht auffrisst.

Über die Zukunft sagte Victor Hugo, sie habe viele Namen: „Für Schwache ist sie das Unerreichbare, für die Furchtsamen das Unbekannte, für die Mutigen die Chance“.

Lassen Sie uns mutig sein! Den ersten Schritt können Sie bereits tun, wenn Sie die Chance ergreifen mit uns an unserem Stand ins Gespräch zu kommen: Sei es über smarte Technologien oder über effiziente Unternehmensprozesse. Sei es über den weiteren digitalen Weg Ihres Unternehmens, oder wie wir gemeinsam das Thema erfolgreiche digitale Transformation angehen können.

Trotz aller Potenziale der Künstlichen Intelligenz: Glücklicherweise sind wir alle Menschen, die autonom und frei sind. Nutzen wir diese Chance!

Ich danke Ihnen, meine Damen und Herren.

Ansprechpartner

Uta Keilhauer

Digital Content Manager

+49 711 78 25 32 68
u.keilhauer@cenit.com