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Die neue Offenheit der 3DEXPERIENCE in der Cloud
3DEXPERIENCE CLOUD

Die neue Offenheit der 3DEXPERIENCE in der Cloud

Veröffentlicht 12.10.2020 | Aktualisiert 03.10.2022

Cloud-basierte Lösungen erleben auch bei Unternehmensanwendungen einen ungebrochenen Siegeszug. Nachdem Salesforce diesen Trend initiiert hat, stehen den Unternehmen heute vielfältige Cloud-Lösungen mit SaaS-Betriebsmodellen zur Verfügung. Mit über 38.000 aktiven Nutzern der 3DEXPERIENCE in der Cloud hat sich Dassault Systèmes zum führenden Cloud-Anbieter für Online Collaboration, Innovations-Management, multidisziplinäre Entwicklung sowie vielfältige PLM Geschäftsprozesse entwickelt.

Redaktionsleitung
Dipl.-Ing. Nicole Meyer
Dipl.-Ing. Nicole Meyer
Senior Consulting 3DS-PLM | Redakteurin 3DS-PLM Technisches Magazin
Autor
Harald Beinhauer
Harald Beinhauer
Director Strategic Business Development

In Zeiten von Covid-19 zeigen sich die Vorteile der 3DEXPERIENCE in der Cloud besonders deutlich, da alle Mitarbeiter von zuhause mit der vollen Internet-Performance auf ihre Anwendungen zugreifen können, ohne einen VPN-Flaschenhals im Unternehmensnetzwerk und mit hoher 24x7 Verfügbarkeit.
Bisher war die Integration von Enterprise-Systemen, wie ERP, CRM, IDE, … mit 3DEXPERIENCE in der Cloud nur eingeschränkt möglich, sodass durchgängige Geschäftsprozesse erschwert und die Einsatzbreite des „On-Cloud“ -Betriebsmodells einschränkt waren.

Mit dem Update der 3DEXPERIENCE am 21. September auf R2021x FD02 stehen ausgewählten Pilotkunden nun neue, leistungsfähige Integrationskonzepte in der Cloud zur Verfügung und es ist geplant, diese im Januar 2021 allen Cloud-Kunden zur Verfügung zu stellen. Wir konnten uns bereits vorab mit der neuen Technologie beschäftigen und bereits erste Anwendungsszenarien „live“ implementieren. In diesem Beitrag wollen wir auf die zugrundeliegende Technologie und einige von uns bereits realisierte Anwendungsbeispiele näher eingehen:

ENTERPRISE INTEGRATION FRAMEWORK

Das Enterprise Integration Framework (EIF) der 3DEXPERIENCE bietet in der Cloud eine Reihe von Diensten und Methoden, um Integrationen mit anderen Systemen zu realisieren, die entweder auch in der Cloud oder lokal installiert sein können. Folgende EIF-Bausteine kommen hierbei zum Einsatz:

COMMON WEB SERVICES

Diese Webdienste sind eigentlich nicht neu, sie wurden bereits in den letzten Releases eingeführt, kontinuierlich verbessert und sie werden auch zukünftig weiterentwickelt. Damit bieten sie eine stabile Programmier­schnitt­stelle (API), um von außen initiierte, zielgerichtete Operationen auszuführen. Die Webdienste können mit beliebigen Programmiersprachen und aus allen Anwendungen heraus genutzt werden.

Die APIs basieren auf einer modernen REST-Implementierung mit https-Kommunikationsprotokoll. Wie bereits erwähnt, sind sie stabil, d.h. sie werden auch in künftigen Versionen in gleicher Weise verfügbar sein, selbst wenn sich das 3DEXPERIENCE Datenmodell ändern sollte. Daher sind sie inoffiziellen Funktionsaufrufen des Benutzerinterfaces oder selbst entwickelten APIs im Falle einer On-Premises-Installation eindeutig vorzuziehen.

Die folgenden 3DEXPERIENCE Dienste verfügen über Web Service APIs: 3DSWYM, 3DDrive, 3DDashboard, 3DPassport, 3DSpace
 

ENTERPRISE IP EXCHANGE SERVICE

Dieser Dienst ermöglicht derzeit den Export von Massendaten im XML-Format STEP AP242. Er eignet sich daher u.A. für den Export von Produktstrukturen, die anderen Systemen bereitgestellt werden sollen.
Zu diesem Zweck werden die Wurzelknoten der zu exportierenden Strukturen als REST-Anfrage an den Dienst übergeben, und nach Beendigung des Jobs wird auf dem Message-Bus eine Nachricht mit der URL zu den bereitgestellten Ergebnissen übermittelt. Die Abrechnung dieses Dienstes erfolgt verbrauchsabhängig mit Tokens, die im Laufe der Zeit mit der Anzahl exportierter Elemente aufgebraucht werden.
 

MESSAGE BUS

Der Message-Bus beruht auf einer von Dassault Systèmes betriebenen Instanz des Apache ActiveMQ Message Brokers. Entsprechend der Mandantenaufteilung (Tenant eines Kunden) werden die Nachrichten zu den konfigurierten Ereignissen (siehe Event Publishing Service) bereitgestellt. Dabei kann es sich entweder um "Fertigmeldungen" vom Enterprise IP Exchange Service oder um Ereignisse bezüglich eines Statuswechsels von Objekten handeln, z.B. der Freigabe-Operation eines Bauteils auf RELEASED durch einen Benutzer. Um sich mit dem Message-Bus-Dienst verbinden zu können, muss ein sog. Integration Agent mit der unten beschriebenen Credential Lifecycle Management-Anwendung erstellt worden sein.
 

EVENT PUBLISHING SERVICE

Wie oben erwähnt, bietet der Message Bus Service den zu integrierenden Systemen die Möglichkeit, übermittelte Ereignisnachrichten zu überwachen und darauf zu reagieren. In einer Benutzeroberfläche kann der Tenant-Administrator konfigurieren, ob für bestimmte Ereignisse Nachrichten erzeugt werden sollen, z.B. beim Anlegen eines Engineering Items oder bei Statusänderungen.
 

CREDENTIAL LIFECYCLE MANAGEMENT

Mit dem Credential Lifecycle Management kann der Tenant-Administrator Service-Agenten zur Nutzung der oben beschriebenen Dienste erstellen. Diese Service-Agenten verfügen über spezifische Methoden, um sich mit 3DEXPERIENCE zu verbinden, einschließlich der Webdienste, des Enterprise IP Exchange-Dienstes und des Message Bus-Dienstes.

1. PRAXISBEISPIEL: ERP INTEGRATION 

Nach all der Theorie über Dienste und ihr Zusammenwirken wollen wir uns nun konkreten Anwendungs­szenarien aus der Praxis zuwenden. Das erste betrifft die Erstellung von Teilen und Baugruppen in einem ERP-System – hier exemplarisch am Beispiel von SAP R/3 gezeigt. Zu diesem Zweck legt der Tenant-Administrator zuerst einen neuen Service-Agenten an:

Anschließend werden jene Ereignisse eingeschaltet, für die eine Nachricht auf den Message-Bus gelegt werden soll, hier u.a. für Neuanlage und Statuswechsel von Engineering Items.
 

In dem folgenden Video sehen wir einen SolidWorks Anwender mit einem Folgeverbund­werkzeug. Sowohl die Baugruppe als auch alle Einzelteile wurden bereits früher, während ihrer Erfassung in 3DEXPERIENCE automatisch auch in SAP angelegt. Die SAP-Materialnummer (ERPNummer) wurde dabei zurück an 3DEXPERIENCE übertragen. Nun sucht der Benutzer in SAP nach dem Wurzelknoten seines aktuellen Werkzeugs. Zwar findet er das in SAP existierende Material, es hat jedoch noch keine Verknüpfung zu untergeordneten Bauteilstrukturen. Zurück in 3DEXPERIENCE befördert er die Baugruppe und alle zugehörigen Einzelteile vom Status "In Arbeit" zu "Eingefroren" und dann zu "Freigegeben".
Dabei passiert im Hintergrund viel von dem der Anwender nichts mitbekommt: Eine Nachricht wird von 3DEXPERIENCE an den Message-Bus gesendet und von dort an einen Service-Endpunkt übertragen. Der Dispatcher-Dienst entscheidet nun, ob und wie er auf dieses Ereignis reagiert. Im Falle der Freigabe eines Engineering-Items ist eine Reaktion erforderlich, um die Daten auf der ERP-Seite zu aktualisieren. Daher wird die Nachricht in eine Warteschlange gestellt, die dann von einer speziellen Anwendung für die SAP-Synchronisation chronologisch abgearbeitet wird. Diese Anwendung nutzt die offiziellen 3DEXPERIENCE-Webdienste, um weitere Details über das freigegebene Objekt, wie z.B. dessen Kinder und Attribute, anzufordern. Falls erforderlich, werden die ermittelten Daten transformiert und schließlich die Baugruppen-Struktur und ihre Attribute auf dem Zielsystem in geeigneter Weise aktualisiert. Dies geschieht innerhalb sehr kurzer Zeit, so dass der Anwender das Ergebnis sofort sehen kann. Er kehrt zu SAP zurück, um die Verknüpfungen des Baugruppen-Materialstamms erneut anzuzeigen. Die Struktur des Werkzeugs wurde automatisch in SAP angelegt und die Metadaten aktualisiert.

2. PRAXISBEISPIEL: JIRA AUFGABEN IN 3DEXPERIENCE

Im zweiten Szenario werden beide Anwendungen, sowohl JIRA von Atlassian als auch die 3DEXPERIENCE in der Cloud eingesetzt. Wir übertragen eine Aufgabe aus der JIRA Aktivitäts- und Projektverfolgung an die 3DEXPERIENCE, so dass der zugewiesene Anwender sie in seiner gewohnten Entwicklungsumgebung bearbeiten und ihre Fertigstellung an JIRA zurückmelden kann. Auf diese Weise können heterogene Entwicklungsteams in ihren angestammten Entwicklungswerkzeugen bleiben und trotzdem nahtlos zusammenarbeiten.

Für erfolgreiche Integrationsprojekte spielt ein umfassendes Verständnis der auf den Quell- und Zielsystemen verfügbaren Daten und Prozesse eine wesentliche Rolle. Die Integration von geschäftskritischen Cloud-Anwendungen muss aber auch stabil, performant und sicher erfolgen. Hier setzen wir auf modernste Cloud- und Infrastrukturkomponenten, die mit der Last skalieren und auf Best Practices und etablierten Industriestandards basieren. Alles in allem erhalten unsere Kunden eine schlüsselfertige Integrationslösung mit garantiertem Service Level und volumenbasierter Abrechnung - mit anderen Worten: "Integration-as-a-Service".

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