Verfasst von Karsten Horn |
Kollaborationsmodelle für OEMs, Zulieferer und Entwicklungspartner in komplexen Entwicklungsnetzwerken
Nicht jede Zusammenarbeit folgt denselben Regeln
Moderne Produkte entstehen heute in vernetzten Entwicklungsnetzwerken. Hersteller, Zulieferer und Entwicklungspartner arbeiten gemeinsam an Innovationen, tauschen Produktinformationen aus und gestalten Entwicklungsprozesse über Unternehmensgrenzen hinweg. Dabei gleicht jedoch kein Kollaborationsmodell dem anderen. Während einige Unternehmen hauptsächlich freigegebene Informationen bereitstellen, arbeiten andere eng an gemeinsamen Produktstrukturen, Änderungsständen oder Entwicklungsprozessen zusammen.
Je stärker die Vernetzung zunimmt, desto wichtiger wird ein strukturierter Informationsaustausch. Sind Daten, Prozesse und Verantwortlichkeiten klar aufeinander abgestimmt, können alle Beteiligten effizienter zusammenarbeiten. Dieser Bedarf betrifft nicht nur die Automobilindustrie. Auch in der Luft- und Raumfahrt, im Maschinen- und Anlagenbau, in der Hightech-Industrie sowie in anderen komplexen Entwicklungsumgebungen müssen Unternehmen über Organisationsgrenzen hinweg sicher und effizient zusammenarbeiten.
Zwischen Datenaustausch und gemeinsamer Entwicklung
Die Anforderungen an die Zusammenarbeit unterscheiden sich je nach Rolle innerhalb der Wertschöpfungskette.
Ein OEM koordiniert häufig eine Vielzahl von Partnern und benötigt Transparenz über den gesamten Entwicklungsprozess. Ein Zulieferer bewegt sich dagegen oft zwischen mehreren Kundenwelten und muss unterschiedliche Anforderungen gleichzeitig bedienen.
- Bereitstellung freigegebener Produktinformationen
- Austausch von Entwicklungsdaten zwischen Partnern
- Gemeinsame Abstimmung von Änderungen
- Integration von Entwicklungs- und Geschäftsprozessen
- Sicherstellung einer durchgängigen Informationsbasis
Die passende Kollaborationsstrategie hängt dabei weniger von der eingesetzten Technologie als vielmehr vom jeweiligen Geschäftsmodell und der gewünschten Tiefe der Zusammenarbeit ab.
Warum das passende Kollaborationsmodell entscheidend ist
Eine auf das jeweilige Szenario abgestimmte Zusammenarbeit schafft die Grundlage für Transparenz, Agilität und digitale Kontinuität.
Informationen stehen dort zur Verfügung, wo sie benötigt werden. Änderungen können nachvollziehbar begleitet werden und Beteiligte arbeiten auf einer gemeinsamen Informationsbasis. Gleichzeitig entstehen die Voraussetzungen, um neue Partner effizient einzubinden und bestehende Prozesse weiterzuentwickeln.
Davon profitieren unterschiedliche Bereiche gleichermaßen:
- Das Management erhält einen besseren Überblick über Entwicklungsaktivitäten.
- Entwicklungsteams können Informationen effizienter nutzen.
- Fertigung und Engineering arbeiten enger zusammen.
- Partner werden gezielt in relevante Prozesse eingebunden.
- Innovationszyklen lassen sich nachhaltig unterstützen.
Von der Strategie zur Umsetzung
Der Weg zu einer erfolgreichen Kollaboration beginnt mit einem klaren Verständnis der eigenen Ausgangssituation.
Nicht jedes Unternehmen benötigt dieselbe Form der Zusammenarbeit. Manche Szenarien erfordern einen kontrollierten Informationsaustausch, andere eine eng integrierte Zusammenarbeit über mehrere Organisationen hinweg.
Deshalb lohnt sich ein ganzheitlicher Blick auf Prozesse, Datenflüsse und Organisationsstrukturen. Erst daraus entsteht ein Zielbild, das sowohl den geschäftlichen Anforderungen als auch den technologischen Möglichkeiten gerecht wird.
Moderne Plattformen, Cloud-Technologien, modellbasierte Ansätze und KI können dabei wertvolle Enabler sein. Ihr volles Potenzial entfalten sie jedoch erst im Zusammenspiel mit klar definierten Prozessen und einer passenden Kollaborationsstrategie.
Kollaboration kennt viele Facetten
Die nachfolgende Darstellung zeigt exemplarisch unterschiedliche Szenarien der Zusammenarbeit zwischen OEMs, Zulieferern und Entwicklungspartnern.
Mal steht der Austausch freigegebener Informationen im Vordergrund, mal die gemeinsame Entwicklung von Produkten oder die Abstimmung von Änderungen über Unternehmensgrenzen hinweg. Ebenso unterschiedlich sind die Anforderungen an Prozesse, Verantwortlichkeiten und Systemintegration.
Die Grafik verdeutlicht, dass erfolgreiche Kollaboration kein starres Modell ist. Vielmehr entsteht sie durch die passende Kombination aus Informationsaustausch, Prozessintegration und organisatorischer Zusammenarbeit.
Kollaborationsszenarien für den individuellen Bedarf
Erfolgreiche Zusammenarbeit braucht eine verlässliche Informationsbasis. Wenn OEMs, Zulieferer und Entwicklungspartner gemeinsam an Produkten arbeiten, werden Stücklisten, Teile- und Stammdaten, CAD-Informationen, neutrale Austauschformate, Änderungsstände sowie Varianten- und Konfigurationsdaten ausgetauscht. Diese Informationen verbinden technische Details mit geschäftlichen Abläufen und schaffen ein gemeinsames Verständnis über Produkt, Reifegrad und nächste Schritte. So bleiben Entwicklungsstände transparent, Änderungen nachvollziehbar, Varianten beherrschbar und nachfolgende Prozesse wie Beschaffung, Fertigung oder Dokumentation sicher angebunden. Je nach Zusammenarbeitstiefe werden Informationen bereitgestellt, zwischen Systemwelten ausgetauscht oder direkt in gemeinsamen Prozessen genutzt.
Entwicklung in getrennten Systemwelten
Der Zulieferer arbeitet in seiner eigenen SAP- und PLM-Umgebung mit CATIA V5 und tauscht Entwicklungsdaten mit dem OEM aus. Die Konstruktion erfolgt entweder vollständig im eigenen System des Zulieferers oder teilweise im System des OEM. Die erzeugten Daten werden anschließend zwischen beiden Unternehmen ausgetauscht. Dieses Modell wird häufig eingesetzt, wenn der Zulieferer neben der Entwicklung auch Fertigungsaufgaben übernimmt und deshalb die Produktdaten in der eigenen Systemlandschaft benötigt.
Gemeinsame Plattformen mit Datenaustausch
Sowohl OEM als auch Zulieferer nutzen die 3DEXPERIENCE Plattform. Die Unternehmen betreiben jedoch eigene Plattforminstanzen und tauschen Produktdaten, Änderungen und Entwicklungsstände kontrolliert zwischen den Umgebungen aus. Dadurch bleiben Verantwortlichkeiten und Datenhoheit klar getrennt, während die Zusammenarbeit gleichzeitig enger integriert werden kann.
Direkte Zusammenarbeit im OEM-System
Der Zulieferer arbeitet über 3DEXPERIENCE Collaboration Space direkt innerhalb der Systemumgebung des OEM. Entwicklungspartner und OEM greifen auf dieselbe Produktdefinition zu und arbeiten in gemeinsamen Prozessen. Für nachgelagerte Aufgaben wie Fertigung, Dokumentation oder interne Abläufe können relevante Daten zusätzlich in die eigene Umgebung des Zulieferers übernommen werden.
Wenn ein Zulieferer mehrere Kundenwelten verbindet
Ein typisches Szenario aus der Praxis ist ein Zulieferer, der parallel mit mehreren OEMs oder Auftraggebern zusammenarbeitet. Jeder Kunde verfolgt eigene Prozesse, Prioritäten und Anforderungen an die Zusammenarbeit.
Während in einem Projekt primär Produktinformationen bereitgestellt werden, steht in einem anderen die enge Abstimmung von Entwicklungsständen oder Änderungen im Fokus. Gleichzeitig müssen interne Prozesse effizient und konsistent bleiben.
Der Schlüssel liegt darin, unterschiedliche Kollaborationsmodelle flexibel unterstützen zu können, ohne die Transparenz oder Nachvollziehbarkeit entlang der eigenen Wertschöpfungskette zu verlieren. So entsteht die Grundlage für eine skalierbare und zukunftsfähige Zusammenarbeit mit Kunden und Partnern.
*KI-Werkzeuge wurden unterstützend für Recherche, Ideensammlung und Strukturierung genutzt. Die Verantwortung für Inhalt und Aussagen liegt vollständig bei dem Autor.
Die Frage lautet heute nicht mehr, ob Unternehmen über Organisationsgrenzen hinweg zusammenarbeiten. Entscheidend ist, welches Kollaborationsmodell die eigenen Ziele am besten unterstützt.
CENIT begleitet Unternehmen dabei, bestehende Zusammenarbeitsmodelle zu analysieren, Potenziale sichtbar zu machen und tragfähige Strategien für Prozesse, Daten und Systeme zu entwickeln. Dabei verbinden wir langjährige Erfahrung in der Produktentwicklung mit einem tiefen Verständnis für die Anforderungen moderner Entwicklungsnetzwerke.
Sprechen Sie uns gerne an.
Lassen Sie uns gemeinsam herausfinden, welches Kollaborationsszenario am besten zu Ihrem Unternehmen, Ihren Partnern und Ihren zukünftigen Anforderungen passt.
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