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20.01.2020

Linde Engineering: IT-Leiter Dr. Uli Hofmann berichtet von neuen Ansätzen für externe Nutzergruppen

Im Dialog für den digitalen Wandel

Wenn es um die Automation von Geschäftsprozessen mit den Mitteln der IT geht, ist bei Linde Engineering das weltweite Team von Dr. Uli Hofmann gefragt. Das gilt auch in Zeiten der digitalen Transformation, mit dem Unterschied, dass die IT-Abteilung heute verstärkt Kunden und Lieferanten in ihren Wirkungskreis einbezieht. Externe Nutzergruppen sind von Anfang an dabei, wenn eine neue Software für sie entsteht. Diese Offenheit zahlt sich aus: Erste Initiativen wie SupplierConnect steigern die Wertschöpfung in den unternehmensübergreifenden Netzwerken nachhaltig.

Die Digitalisierung verschiebt Grenzen. Innerhalb der Unternehmen stehen Silos in Frage und über die Werkstore hinweg ist das Ziel, sich enger, reibungsloser und agiler mit externen Partnern über gemeinsame Plattformen zu vernetzen. Diese unternehmensübergreifenden Geschäftsabläufe mit benutzerfreundlichen Applikationen zu unterstützen und Schnittstellen für einen sicheren Datenaustausch einzurichten sind die neuen Aufgaben, die den Teams zur Automation dieser Prozesse zugewachsen sind.

IT-Abteilung als Partner in der Umsetzung der Digitalstrategie

Insofern ist der Wandel bei Linde Engineering exemplarisch. Die Hauptaufgabe der IT-Mitarbeiter bleibt der sichere Betrieb und die Weiterentwicklung der internen IT-Systemlandschaft. Darüber hinaus ist die IT-Organisation mittlerweile als Partner gefragt, wenn es um die Realisierung der Ziele der Digitalisierung geht.

 

Dr. Uli Hofmann, Head of Global IT bei Linde Engineering











    Dr. Uli Hofmann, Head of Global IT bei Linde Engineering

 

Dr. Uli Hofmann, Head of Global IT bei Linde Engineering, steht hinter dieser Ausrichtung: „Wir möchten dazu beitragen, die Wechselwirkung von Linde Engineering mit den Marktpartnern zu verbessern“, gibt Hofmann die Richtung vor. „Unsere Rolle hat sich erweitert. Neben der Automatisierung unserer Geschäftsprozesse unterstützen wir die Implementierung der Digitalstrategie von Linde Engineering. Dafür arbeiten wir eng mit unseren Kollegen aus dem Linde Digitalisierungsteam zusammen."

Unsere Rolle hat sich erweitert. Neben der Automatisierung unserer Geschäftsprozesse unterstützen wir die Implementierung der Digitalstrategie von Linde Engineering.

 

 

 

Einige der  neuen Benutzergruppen gehören zu Linde Engineerings  zahlreichen Lieferanten, die beim Anlagenbau eine tragende Rolle spielen. Für eine Großanlage werden die Equipments, Materialien und Dienstleistungen mehrerer hundert Lieferanten gebraucht. Mit ihnen ist eine intensive Zusammenarbeit in den jeweiligen Projekten nötig.

Lieferanten als neue Benutzergruppe

Je nach Art der Lieferung benötigt der Lieferant umfangreiche Spezifikationen. Umgekehrt ist es für den Anlagenbauer wichtig zu wissen, wie weit ein Lieferant mit Konstruktion und Fertigung ist. Gerade, wenn davon der nächste Schritt abhängt.

Dazu kommen Hürden einer rechtzeitigen Anlieferung wie aufwändige Schwertransporte, Zollbestimmungen oder geografische Extremsituationen. Olefin-Anlagen oder Erdgas-Verflüssigungsanlagen finden sich eher selten am gut erschlossenen Stadtrand sondern in entfernter Natur mit extremer Hitze oder Kälte.

„Softwareunterstützung an den Unternehmensgrenzen muss die Abläufe für alle Beteiligten erleichtern, insofern war dies zuletzt einer unserer Schwerpunkte“, berichtet Hofmann. Dabei sei nicht das Ziel, einseitig den Arbeitsaufwand vom Anlagenbauer zum Lieferanten zu verlagern, wie er betont: „Das ist zu simpel gedacht und führt meiner Überzeugung nach nicht zur Akzeptanz.“

Es geht nicht nur darum, was man selbst gerne hätte, sondern was beiden Seiten nutzt!

Eine IT-Anwendung rechnet sich nur, wenn sie genutzt wird. Und um das sicherzustellen, muss man zuhören und respektvoll miteinander umgehen. Werte, die auch sonst bei Linde Engineering gelten. „Es geht nicht nur darum, was man selbst gerne hätte, sondern was beiden Seiten nutzt!“

Design-Thinking-Workshop zum Start

Die Anforderungen von SupplierConnect wurden in Workshops
geklärt

Für die Entwicklung kamen moderne Projekt-Methoden zum Einsatz. Mitarbeiter der Fachabteilungen Expediting und Logistics von Linde Procurement (Leitung: Alexander Kaiser) fanden sich mit Software-Architekten in einem Workshop neben Vertretern der Lieferantenseite wieder und hatten die Aufgabe, gemeinsam ihre Anforderungen zu durchdenken. Im Sinne des Design-Thinking-Ansatzes wurden diese Vorstellungen direkt vor Ort in einen Klick-Dummy umgesetzt. Dass die Workshop-Teilnehmer schnell ein sichtbares Ergebnis vor Augen haben, trage zum Erfolg bei, ist sich Hofmann sicher. Denn schließlich träfen sich dort nicht nur IT-Experten, um ein Lastenheft zu schreiben, sondern Fachleute aus Einkauf und Logistik, denen die Anschaulichkeit des Prototypen hilft. Für wichtig hält Hofmann in diesem Zusammenhang auch, dass es realistische Musterdaten für die Erprobungsphase gibt, damit alle sich klar sind, wie die Bedienung bei verschiedenen Szenarien tatsächlich abläuft. Nur wenn alle Elemente des Designs – von der Seitengestaltung über die Textbausteine bis zur Interaktionsführung – durchdacht sind, wird eine „User Experience“ erreicht, die für die gewünschte Akzeptanz sorgt.

Und noch eine Erfahrung, die Hofmann aus den ersten Projekten mit unternehmensübergreifenden Netzwerken weitergeben kann: Es muss jeweils klar geregelt sein, welchem Unternehmen die Daten gehören, und wer dementsprechend die Verantwortung für diese Daten übernimmt.

SupplierConnect unterstützt Zusammenarbeit digital

Die besten Ideen für die digitale Unterstützung von Lieferanten und Linde Engineering finden sich heute in der Plattform „SupplierConnect“ wieder. Eine 10-köpfige Kernarbeitsgruppe hat die einzelnen Anwendungsbereiche im Laufe des Jahres 2019 schrittweise für die Nutzer zugänglich gemacht. Außerdem gingen die Anwendungen „Digital Inspection Reporting“ und „Technical Document Application“ live.

 

  • SupplierConnect Expediting
    • Über diese Anwendung wird der Lieferfortschritt einer Bestellung erfasst.
    • Launch 1. Quartal 2019; Neuentwicklung
    • Nutzen: gemeinsame Einsicht auf aktuellen Status; keine doppelte Datenpflege
  • SupplierConnect Logistics
    • Kerndaten und Dokumente zur Logistik der anzuliefernden Güter
    • Launch 2. Quartal 2019; Weiterentwicklung eines Vorläufersystems
    • Nutzen: höhere Prozesssicherheit und bessere Datenqualität
  • Digital Inspection Reporting (DIR)
    • Die Webapplikation unterstützt die Inspektion von Qualitäts- uns Fertigungsstandards bestellter Waren vor Ort beim Lieferanten.
    • Launch 2019
    • Nutzen: Die Daten der Inspektion sind digital abrufbar und verknüpft mit dem Gesamtvorgang der Bestellung bzw. des Anlagenprojekts.
  • Technical Document Application
    • Der Lieferant kann alle technischen Dokumente zu seinem Produkt abgeben, wobei das Produkt dem Bestellvorgang zugeordnet ist.
    • Launch 4. Quartal 2019; Weiterentwicklung eines Vorläufersystems
    • Nutzen: Prozess ist für beide Seiten effizienter, weniger Aufwand bei notwendigen Iterationen („Engineer to Order“-Ansatz)

Für konsistente Prozesse mit Cloud-Anbindung nutzt Linde Engineering SAP auch als Entwicklungsumgebung. Es kommen sowohl SAP Produkte als auch SAP Werkzeuge zum Einsatz. Die User Interfaces im modernen Look basieren auf SAP Fiori als Frontend-Lösung. Die Nutzerverwaltung der externen User ist mit SAP Identity Provider umgesetzt.

Erfahrener Partner Coristo

Als Partner in der DevOps-Phase wurde Linde Engineering in bewährter Weise von einem Team der Coristo unter Leitung von Oliver Loose unterstützt, der seit mehr als 10 Jahren bei Linde Engineering regelmäßig umfassende Projekte im SAP-Umfeld aktiv von der Konzeption bis zur Umsetzung begleitet.

Linde Engineering hat eine Cloud-Strategie, wobei es sich bei diesem Projekt, wie Oliver Loose erläutert, eigentlich um eine Multi-Cloud-Umgebung handelt. Das zu ermöglichen und abzusichern war eine der technologischen Herausforderungen des Projekts.

Und wie steht es mit dem Thema Standardisierung und Cloud? Versperren Sonderlösungen und eigene Entwicklungen nicht den Weg in Richtung SAP S/4HANA?

„Es ist immer sinnvoll zu hinterfragen, ob die bestehenden, firmenspezifischen Anwendungen wirklich in ein neues Release mitzunehmen sind. Vielleicht bietet die Software jetzt einen Standard, der uns ausreicht. Oder wir kommen zu dem Schluss, dass man einen bestimmten Sonderweg gar nicht mehr braucht. Aber wenn das nicht der Falls ist, sollte man aus meiner Sicht nicht auf die firmenspezifische Lösung verzichten“, erläutert Oliver Loose.

Perspektivwechsel öffnet neue Wege

In der Digitalisierung gilt es immer wieder, das Bestehende zu überprüfen und ein Weg, sich dabei die richtigen Fragen zu stellen, ist die Begegnung mit Menschen, deren Perspektive uns bisher unbekannt war.

Das ist Linde Engineering im Fall von „SupplierConnect“ und den weiteren Anwendungen für Lieferanten in jedem Fall sehr gut gelungen, wie die Rückmeldungen zeigen:

  • Die Prozesse sind effizienter und die Projektdurchführung schlanker, weil allen rechtzeitig die richtigen Informationen vorliegen.
  • Die Datenqualität hat sich stark erhöht, weil die Angaben geprüft und vollständig sind.
  • Die harmonisierten Daten erlauben ein besseres Tracking, sowohl während Durchführung als auch nach Abschluss des Projekts.

Der Dialog wird fortgesetzt – für den nächsten Release und für neue Einsichten.

Unternehmensübergreifende Kollaboration: Fünf Tipps für Ihre IT-Lösungen

Wenn Sie daran denken, die Zusammenarbeit mit Ihren Kunden, Lieferanten oder je nach Branche auch weiteren Stakeholdern stärker mit digitalen Tools zu unterstützen, dann lässt sich aus dem Beispiel von Linde Engineering einiges mitnehmen. Und zwar auch dann, wenn Ihre Firma nicht zu den DAX-Unternehmen zählt.

  • Der richtige Mindset: In dem Begriff „Zusammenarbeit“ steckt schon die geforderte Haltung – beide Seiten müssen an einem Strang ziehen. Die neue Schnittstelle funktioniert nur als gemeinsames Projekt, das intern wie extern gleichermaßen zur Wertschöpfung beiträgt. Fragen Sie sich dazu auch, wie Sie die notwendige Offenheit bei Ihren unternehmenseigenen Stakeholdern fördern können. „What’s in for me?“ erweist sich darin meist als schnellster Weg zum „Ja!“ ihres Gegenübers.
  • IT-Abteilung als Partner: Ganz gleich, ob Sie am Ende einen Standard implementieren oder selbst eine Lösung entwickeln: Holen Sie Ihr internes IT-Team ins Boot, denn nur dort ist das notwendige Spezialwissen insbesondere zur Integration mit vorhandenen Systemen abrufbar. Wenn diese Aufgaben-Erweiterung personell nicht möglich ist, sind die Kollegen immer noch wichtige Gesprächspartner, schließlich haben Sie die Verantwortung für Ihre bestehende Systemlandschaft.
  • Standard oder Eigenentwicklung: Weil im digitalen Zeitalter das Thema Kollaboration für effiziente Prozesse immer wichtiger wird, integrieren heute viele IT-Plattformen entsprechende Applikationen. Auf dieses Angebot zurückzugreifen kann den Aufwand wesentlich verringern. Sollten Sie aber eine Eigenentwicklung benötigen, empfiehlt es sich, bei der Erstellung Branchenstandards zu nutzen.
  • Frühzeitig testen: Motivieren Sie die Beteiligten, indem Sie die Anforderungen zum Projektstart als Click-Dummy umsetzen lassen. Das kann zum Beispiel in einem Workshop nach dem Design-Thinking-Ansatz passieren. Dieses Vorgehen hilft internen und externen Stakeholdern, die IT-Anwendungen nutzen aber normalerweise nicht konzipieren.
  • User Experience mit Testdaten optimieren: Die User Experience bestimmt maßgeblich, ob die Applikation später zum Erfolg wird. Und Sie brauchen realistische Testdaten, um wirklich alle UX-Dimensionen zu optimieren.

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